Raum räumen

Bei „Hallo, mein Name ist Kunstbau.“ bauen, lesen, diskutieren wir. Wir trinken Kaffee oder sitzen einfach nur beisammen. Ein Raum, der nicht sagt: „So funktioniert Museum“, sondern fragt: „Was möchte ich hier tun?“ Welche Anregung kann der Raum mir geben?

In den ersten Tagen kamen Menschen neugierig herein, viele mit Fragen. Manche schauten kurz und gingen wieder, andere blieben, lasen ein Buch, setzten sich irgendwo hin. Es gab keine Anleitungen, keine Regeln. Gleichzeitig wurde spürbar, wie unterschiedlich die Erwartungen an einen Museumsraum sein können – und wie wichtig es ist, gemeinsam herauszufinden, was dieser Raum sein kann. Diese Fragen stellten auch wir uns täglich neu. Der Raum veränderte sich – mit jeder Idee, jedem Tag, jedem Feedback. Der Zustand des Kunstbaus am Eröffnungstag war ein Startpunkt mit der Absicht, Veränderung zuzulassen. Schnell wurde klar: Ein Tisch steht im Weg. Die Bar muss anders stehen, damit Leute ins Gespräch kommen. Wie reden wir miteinander, wenn es plötzlich laut wird? Wie können wir Prozesse sichtbar machen? Wir probieren, verwerfen, stellen um, improvisieren.

Es gab sehr leise Tage im Kunstbau. Dann lagen Menschen in der Bibliothek, andere schaukelten vor sich hin. Und es gabt Tage, da wurde gehämmert, gesägt, diskutiert, musiziert – gleichzeitig. Vormittags Schulklassen, nachmittags offene Workshops. Daneben wurde gelesen, geschrieben, Tischtennis gespielt. Es war ein produktives Nebeneinander – manchmal auch ein chaotisches. Das war herausfordernd, Formate stießen an Grenzen. Und es brauchte viel gegenseitige Absprache und Rücksichtnahme.

Alles darf, nichts muss
Manche bauten, andere schrieben, manche kamen nur, um zu schauen oder sich zu unterhalten. Es gab kein Richtig oder Falsch – dafür offene Türen, viele Möglichkeiten. Die Dinge, die entstanden – Möbel, Fahrzeuge, Schattenfiguren, Texte – wanderten, veränderten ihre Bedeutung, wuchsen weiter. Die Wände füllten sich mit Kommentaren, Beobachtungen, Skizzen. Gegenstände wanderten durch den Raum. Möbel, die am Vormittag mit Schulklassen gebaut wurden, standen am Nachmittag am anderen Ende. Ein orangener Wagen, gebaut von Jugendlichen, wurde zum Fahrzeug für Besucher*innen. Selbstgebaute Rutschen verteilten sich im Raum. Manche Menschen kamen einmal, andere regelmäßig. Fünf Minuten oder ein ganzer Tag. Aus einer kurzen Begegnung an der Bar wurde ein langes Gespräch.
Es ging um Begegnung, Spiel, Aushandlung. Darum, Dinge auszuprobieren – auch wenn sie nicht sofort funktionieren.