Eröffnung. Kommt rein, wir fangen an!
Hallo Interessierte, hallo Forscherinnen, hallo Tanzlustige, hallo Musikfans, hallo Spieler*innen, hallo KI-Geeks, hallo Leseratten, hallo Tüftler*innen, hallo Jung und Alt, hallo Groß und Klein, hallo Nachbar*innen, hallo Freund*innen, hallo Kolleg*innen, hallo an alle Helfer*innen und Mitstreiter\innen, hallo Stammgäste, hallo Spontis. Hallo an alle, die heute da sind!
Wir freuen uns sehr, dass Ihr mit uns den Anfang dieses besonderen Experiments feiert. Wenn wir uns in diesem Raum umsehen, sehen wir keine gewohnte Ausstellungssituation. Stattdessen ein Schattentheater, ein großes rotes Dach, drei große Werkzeuggürtel, zwei Plattenspieler, hundert Bücher, einen Berg, richtig viel Holz: Platten, Stäbe, Balken, eine Tonne Ton, viele Fragezeichen, einige Schaukeln, ein langes Lithophon, Felgen, Federn, Donnerbleche, einen großen Apfel, Stabfiguren, eine Theaterbühne, eine Schattenwand, 50 selbstgebaute Hocker, 100 Meter Kabel und vieles mehr.
Wir eröffnen heute keine Ausstellung, sondern einen Raum. Oder besser gesagt: viele Räume, die sich berühren, sich überschneiden. Die in Bewegung sind, sich verändern und erweitern werden. Als Team der Bildung und Vermittlung beschäftigen wir uns in unserer Arbeit immer auch mit Raum. Wir fragen uns dabei stets: Wie beeinflusst Raum die Weise, in der wir uns begegnen? Wie stellt ein Raum Möglichkeiten her oder verhindert sie? Wer kommt in unsere Räume? Wer nicht?
Wenn wir von Raum sprechen, hat dieser Begriff immer verschiedene Dimensionen. Architektonischer Raum, Erfahrungsraum, sozialer Raum, Denkraum, Spielraum. Räume sind niemals neutral. Ein Raum kann einladend sein – oder abschreckend. Er kann Weite geben – oder Enge erzeugen. Es gibt sichtbare und unsichtbare Bedingungen, die unsere Erfahrung prägen: Wer fühlt sich angesprochen? Wer fühlt sich in seinen Erfahrungen repräsentiert? Wer fühlt sich sicher? Wer bleibt draußen?
Der Raum ist also nicht nur etwas, das da ist – er ist etwas, das wir gemeinsam herstellen. Und das macht ihn so spannend. Denn: Jede und jeder hat eine Beziehung zu Raum. Ob körperlich, emotional, politisch, alltäglich. Das Thema Raum ist etwas, worauf wir alle zugreifen können – aus ganz verschiedenen Perspektiven.
Vermittlungsprozesse und Räume sind untrennbar miteinander verbunden. Vermittlung ist für uns nicht das „Erklären von etwas“, oder das „Sprechen über etwas“. Wir verstehen Vermittlung als „Vermitteln durch etwas“ – durch prozesshaftes Handeln mit verschiedenen Materialien, durch die und mit den Personen, die dabei sind, durch das, was gesagt oder nicht gesagt wird. Geschrieben oder nicht geschrieben wird. Und wir verstehen Vermittlung als ein „Vermitteln in etwas“– in Strukturen, in sozialen Gefügen, in einer bestimmten Atmosphäre oder Situation – in einem Raum.
Bei „Hallo, mein Name ist Kunstbau.“ wollen wir einige Perspektiven auf diese Thematiken zusammenzubringen. Gemeinsam wollen wir untersuchen, wie Raum und Museum zusammenhängen: Als öffentlicher Ort, als demokratischer Raum, als Ort der Aushandlung. Aber auch als Ort, an dem Wissen geteilt wird und in unterschiedlichen Begegnungen immer wieder neu entsteht. Was wir herausfinden, möchten wir im Anschluss an diese Wochen in die Neugestaltung unserer Vermittlungsräume und des Vermittlungsprogramms im Lenbachhaus mitnehmen.
Wir haben unterschiedliche Künstler*innen, Vermittler*innen, Vereine, Institutionen und Initiativen eingeladen. Einige arbeiten schon länger mit uns, kennen die Räume, das Museum gut. Andere sind neu dazugekommen – mit Fragen, mit Neugier, mit ihren Perspektiven. Sie alle haben das Programm und die Räume im Kunstbau mit uns entwickelt. Der Kunstbau lebt in diesen Wochen davon, dass Dinge gleichzeitig passieren und viele Stimmen sprechen.
Wir trennen in diesem Projekt nicht zwischen Kunst und ihrer Vermittlung. Denn beides kann Prozess sein, kann Suchbewegung sein. Ein Gespräch, das sich entwickelt, das scheitert, das neu beginnt. Wir möchten Räume schaffen, in denen ausprobiert werden darf – nicht nur, was Kunst ist, sondern auch, wie wir uns zu ihr in Beziehung setzen. Dabei nehmen wir künstlerische Prozesse in ihrer Vielfalt als Ausgangspunkt, um Beteiligung, Aushandlung und Dialog zu ermöglichen.
Diese Suchbewegung ist auch eine Einladung an uns selbst: als Institution, als Team, als Gastgeber*innen. Wir möchten Unbestimmtes zulassen, Entscheidungen mit anderen teilen. Dann geht es nicht darum, die eigene Deutung durchzusetzen – sondern darum, Raum zu geben für andere Bedeutungen. Wir stellen uns Fragen, die uns weiter begleiten werden: Welches Wissen bringen andere mit, das wir nicht haben? Wo liegen unsere blinden Flecken? Welche Stimmen haben bislang keinen Platz gefunden? Welche Räume fehlen?
Natürlich: Sechs Wochen sind zu kurz, um einen nachhaltigen Öffnungsprozess zu gestalten. Aber sie reichen, um etwas in Bewegung zu bringen. Beziehungen zu beginnen, zuzuhören. Im gemeinsamen Machen Erfahrungen zu teilen. Zu spüren, was passiert, wenn man nicht alles vorher plant. Wenn man Raum lässt – für das, was entstehen will: Für Austausch, für Begegnung, für Experiment.
Wir möchten als Haus von diesen Prozessen lernen und sehen, was sich dadurch verändern kann. Denn Institutionen bleiben nur lebendig, wenn sie sich wandeln.
„Hallo, mein Name ist Kunstbau.“ ist ein Anfang. Ein vorsichtiges Tasten. Ein Angebot.
Ein Ort, an dem etwas beginnen kann – und idealerweise danach weiterwächst.
Wir freuen uns auf das, was kommt. Auf Gespräche, auf geteilte Momente, auf Umwege.